Filmpremiere: 18. März 2016 Sabine Linse, Rites de passage II – The cave, 2015

/Verena Voigt | PR

FILMPREMIERE
Sabine Linse, Rites de passage II – The cave, Videoinstallation
Premierenfeier: 18. März 2016 – 20. Filmfest Schleswig-Holstein
Veranstaltungsort: Die Pumpe, Haßstraße 22, Kiel
Werkstattgespräch + Pressetermin: 19 Uhr, Vorführungsraum


Sabine Linse: Rites de passage II – The cave, Eiskeller Gut Hemmelmark, Foto: Sabine Linse

7 Stunden endloser Dämmerung

Sabine Linse ruft Nebel und Frösche als Wächter der Schwelle auf. Das sieben Stunden dauernde Kunstvideo „Rites de passage II – The cave“ mutet dem Cineasten eine Atmosphäre nicht enden wollender Dämmerung zu; zunächst eingetaucht in ein sommerliches, dann in ein winterliches Szenario.
Hinterfangen wird der Film vom Rauschen des Eiskellerbaches, der – einst aufgestaut – winterliche Eisernten erlaubte, um im Sommer Lustbarkeiten zu konservieren. In bewegungsloser Kameraeinstellung auf den unbetretbaren Ort – den Eingang des Eiskellerbergs auf Gut Hemmelmark (Barkelsby, Schleswig-Holstein) – sensibilisiert die Künstlerin für Transformationsprozesse, Grenzfälle und magische Zwischenwelten. Der Titel der filmischen Metapher stellt Bezüge zur 1908 erschienenen Studie „Übergangsriten“ (Les rites de passage) des Ethnologen Arnold von Gennep her.

Das Filmprojekt wurde in Kooperation mit dem Kunstverein „Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V.“ realisiert und  mit Hilfe der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und der Filmwerkstatt Kiel produziert.

eiskellerforschungen.tumblr.com
http://www.filmfest-sh.de/
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-Kultur/Aktuelle-Nachrichten-Kultur/20.-schleswig-holsteinisches-Filmfest-findet-Mitte-Maerz-statt

http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-Kultur/Aktuelle-Nachrichten-Kultur/Filmfest-Schleswig-Holstein-Zwischen-Fremde-und-Heimat
facebook.com/eiskellerforschungen

Der siebenstündige Film beginnt um 14 Uhr im Vorführungsraum im Erdgeschoss der Pumpe.

Das Werkstattgespräch, zu dem auch die Presse eingeladen ist, beginnt um 19 Uhr.
Am Werkstattgespräch nehmen teil: Prof. Dr. Susanne Düchting (Kunstkritikerin),
Sabine Linse und Verena Voigt M.A. (Kuratorin, Leiterin des Kunstvereins GFZK).  

Anschließend lädt die Filmwerkstatt zu einem Empfang mit einem kleinen Imbiss.
Um Anmeldung bis zum 11. März bei Verena Voigt  v.voigt@t-online.de wird gebeten.


Biografie:
Sabine Linse (*1966 in Eckernförde, lebt und arbeitet in Berlin) studierte Philosophie, Anthropologie, Germanistik und Kunst in Düsseldorf, Berlin und Barcelona und war Meisterschülerin von Rebecca Horn. Sie arbeitet im Bereich Kunstvideo, Inszenierte Fotografie, Zeichnung und Installation. Ihre Produktionen wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt,  sowie durch diverse Stipendien u.a. das Else-Heiliger-Stipendium ermöglicht.

Die Künstlerin beschäftigt sich mit dem Wechselspiel von Wahrnehmung, Erwartung und Vorstellung.
Viele ihrer Arbeiten sind von einer rätselhaft-absurden Atmosphäre durchdrungen, in der das Unvertraute eine Allianz des Komischen mit dem Unheimlichen entstehen lässt. Die Inszenierungen, Zeichnungen, Objekte, ihrer fremden neuen Welten werden von einer Logik bestimmt, die der der Träume verwandt ist. Kausale und chronologische Verbindungen wechseln abrupt mit symbolischen und assoziativen. Das Unerwartete, Fremde erscheint mit einer nahezu harmlosen Selbstverständlichkeit.

Filmografie (Auswahl):
Im Grünen, 2005
Hurlyburly, 2007 (Künstlergruppe TRISTAR)
Krähen, 2001/2007
Eklipse, 2006
Illusions and Deceptions I: Paradise, 2009
Illusions and Deceptions II: Day Trip, 2009
Illusions and Deceptions III: Garden Party, 2009

Übergangsriten: Die Künstlerin sagt selbst zur filmischen Umsetzung des Projekts, dessen Titel auf die Studie „Übergangsriten“ des Ethnologen Arnold von Gennep (1908) zurückgeht:  „Die Blende ist so eingestellt, dass zu Beginn der Abenddämmerung die Landschaft ‚normal‘ hell zu sehen ist, im Laufe der Dämmerung wird sie immer dunkler. Einzige Konstante ist das farbige Licht, also der innere Bereich des Berges, der sich dem Auge entzieht und der Imagination damit freien Raum lässt.  Bei beiden Videos (Winter wie Sommer) handelt es sich um jeweils eine Einstellung. Es entsteht somit eine Art Fotografie, der man die Zeit zurückgegeben hat. In beiden Sequenzen werden die Zeiten der Dämmerung bis zur absoluten Dunkelheit bzw. Helligkeit dokumentiert. Morgen- und Abenddämmerung werden direkt aneinander gehängt und als Loop geschnitten, so dass eine surreale Dokumentation des Ortes entsteht. In der Fokussierung  auf die Lichtveränderungen gibt es weder Tag noch Nacht, sondern nur unterschiedliche Qualitäten der Dämmerung. Als Zeit des Übergangs ist sie auch eine Zeit zwischen den Welten und damit des Eintritts mythischer, magischer Vorgänge.“

Weitere Informationen zur Künstlerin: sabinelinse.de

Das Eishausnetzwerk

Mit Künstlern in historischen Eiskellern zu arbeiten, bedeutet neue Aktionsformen zu entwickeln, künstlerische Forschungsfreiräume zu schaffen und Bedingungen zu schaffen, um sich im „Wald der Fiktionen“ verirren können. Das Eiskellerprojekt ist ein kuratorisches Experiment, das auf der Grundlage veränderter künstlerischer Produktionsbedürfnisse entwickelt wurde. Es verlangt Künstlern, Kuratoren und dem Publikum eine engagierte Aneignung ab; die sich lohnt, denn der Nutzen ist offenkundig: Der geschäftigen Kunstmarktproduktion wird ein verlangsamter Arbeitsmodus entgegengesetzt.
Es entsteht Zeit für Reflexion und Verdichtung.  Besonders fasziniert die Künstler und das Publikum die Schönheit, Ruhe und Verlassenheit der Eiskellerberge, denn stets befindet sich das ehemalige Kühlhaus unter schattenspenden Bäumen, in der Nähe von Gewässern und im verwachsenen Gehölz. So zeigt sich: „Kunst im ländlichen Raum ist nicht länger die vereinzelte Platzierung von Land Art an Orten außerhalb der Stadt, kein Standortnachteil für künstlerische Produktion“ (Gerrit Gohlke, Kunstkritiker), vielmehr wird der Eiskeller zu einem Reflexionsraum, der Metadaten über die historischen Klimaschwankungen  liefert und somit wie ein historisches Klima-Thermometer funktioniert.

Der Kunstverein: Die Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. arbeitet mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern in Eiskellern Schleswig-Holsteins. In der ersten Projektphase (2012-2014) entwickelten Hans Hs Winkler (Berlin/ NY) als Künstler und künstlerischer Kurator, Till Krause (Hamburg), Dan Peterman (Chicago), Ulrike Mohr (Berlin) Kunstprojekte in ehemaligen Eiskellern und in der durch die Eiszeit geprägte Landschaft Schleswig-Holsteins.
Im Juli 2013 wurde der Kunstverein „Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte gegründet; im November 2013 wurde er Mitglied im ADKV.
2014 erschien das Projektbuch „Eiskeller und Himmelslöcher. Interventionen, Erkundungen, Rekonstruktionen und Kartierungen in Schleswig-Holstein“, das über den Kunstverein erworben werden kann.

Es finden regelmäßig Eiskeller-Exkursionen statt. Anmeldung über kontakt@verena-voigt-pr.de

Das 20. Filmfest Schleswig-Holstein
Das Filmfest Schleswig-Holstein wird seit 1993 von der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein zusammen mit dem Kommunalen Kino Kiel in der Pumpe in Kiel ausgerichtet. Veranstalter ist seit 2008 die Filmwerkstatt Kiel zusammen mit dem Kino in der Pumpe und der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein. Vom 17. – 20. März 2016 werden Produktionen von Filmschaffenden aus dem Norden sowie geförderte Filme gezeigt.  Daneben finden Werkstattgespräche statt, die sich besonderen Themen der Filmbranche im Norden widmen.

Weitere Filme des Filmfestivals (Auswahl):
Viola Rusche, A Shape of Time, Über den japanischen Komponisten Jo Kondo
Hauke Lorenz, Viacrucis Migrante – Kreuzweg der Migrant_innen
Daria Khlestkina, Die letzte Limousine
Samuel Collardey, Tempete

 

Weitere Informationen zum 20. Filmfest Schleswig-Holstein: http://www.ffhsh.de/de/news/2016/2016_01_05_Filmfest_Schleswig-Holstein.php

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